Nein, ich werde hier nicht über die Legalisierung von THC-haltigen Medikamenten referieren
Einführende Worte:
Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen Broker, der Twitter ins Auge gefasst hat. Zu Beginn stellt sich wie immer die Frage: “Sollten wir das überhaupt tun?” Meine Empfehlung war ein klares “Ja!”
Zunächst einmal sind unsere Kunden und unsere Leads online unterwegs. Sie informieren sich über Konditionen und vergleichen die Broker der Wahl. Zum zweiten interessieren sie sich für Marktnews, die schnell verfügbar sein müssen. Nun sind wir natürlich kein Börsenticker, aber wenn es den ein oder anderen Hinweis gibt, den der Kunde dadurch schneller bekommt, dass er einem Twitteraccount folgt, dann ist schon geholfen. Neuigkeiten verbreiten sich so extrem schnell, auch der virale Aspekt beispielsweise bei Online-Seminaren, die man als Video zur Verfügung stellt, ist nicht zu unterschätzen.
Meine zwei Lieblingsbeispiele für Twitteraccounts sind Stefan Keuchel (Google-Pressesprecher in D)und Lufthansa.
Keuchel schafft es, exakt die richtige Balance zwischen privatem und beruflichem zu erreichen. Gern erzählt er von seinem Fieber für den HSV oder von seiner Familie. Immer wieder bekommt er aber auch die Kurve zu den neuesten Trends im Bereich Google, einem neutralen Kurzbeitrag zu Wolfram Alpha oder eine turboschnelle Reaktion, wenn eine Google-Applikation mal wieder down ist. Das macht ihn als Pressesprecher in erster Linie zu einem Menschen und nicht zu “Google”, es macht ihn glaubwürdig und zuverlässig. Gut so!
Lufthansa hingegen hat aktuell 2106 Follower und wenn man sich überlegt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein so großer Konzern das Prinzip des Web 2.0 verstanden hat, dann kann man sich ausrechnen, wie vielen sie folgen… Richtig: nämlich keinem. Die Lufthansa sieht Twitter nur als weiteres Werberohr. Sie reagieren nicht auf @replies oder Direct Messages, sind auf “Öffnungszeiten” begrenzt und und und… Interaktion #fail. So nicht!
Kommen wir nun zu einem leichten Leitfaden für den Gebrauch von Twitter im Unternehmen an dem aktuellen Praxisbeispiel eines Hamburger Brokers:
Die 5 “W” des Twitterns
WER?
Wie in allen Bereichen des Social Media kann natürlich jeder twittern. Die Frage ist, wer möchte das? Da es ratsam ist (siehe Stefan Keuchel – Glaubwürdigkeit), persönlich zu twittern, ist die Frage, wer im Unternehmen sich der Öffentlichkeit stellen will. Ein Muß in meinen Augen sind aber Pressesprecher, Kundenberater und der Vorstand.
WIE?
Ich habe meinen Kollegen geraten, dass sie so twittern sollen, wie sie auch sprechen. Zum Einen wirkt dies natürlicher und zum Anderen kann keiner mehr Salesgeschwalle hören. Das heißt auch, dass man gern mal anecken kann. Es ist eben nicht jeder HSV-Fan wie der liebherangeführte Stefan Keuchel. dennoch zeigt es, dass er authentisch ist und es wird keinen Journalisten daran hindern, ihm zu folgen und seinen Ausführungen zu folgen.
Aber ein paar Regel gibt es:
Die Balance zwischen privat und beruflich muss gehalten werden. Dies hängt immer von dem Thema ab, mit dem man sich beim Zwitschern befasst, wen man erreichen will und was das Ziel des Twitterns ist.
Dann achtet bitte auch darauf, dass man nicht nur belangloses Zeug zwitschert sondern auch Inhalte bietet. Gerade beim Abrufen über das iPhone ist es anstrengend, belanglose Tweets immer scrollen zu müssen.
Eine große Bitte: Beachtet Direct Messages und @replies – sie sind eine wertvolle Kontaktaufnahme, die mit Respekt und dem nötigen Zeitaufwand beachtet werden sollen #Lufthansa_fail
Bleibt in den 140 Zeichen. Es ist nicht vorgesehen, dass man lange Monologe hält und die über 10 Tweets verteilt…
Damit zusammenhängend ein letzter Hinweis: 50 Tweets direkt hintereinander mögen interessant sein, führen aber sehr wahrscheinlich dazu, dass ich das Folgen aufgebe (geschehen mit @c21sftu).
WO?
Dies erweitere ich gern noch um “…her bekomme ich meine Follower?” Zunächst einmal ist es ratsam, bereits erste Tweets zu haben, so dass neue Besucher einen Eindruck davon haben, was sie bei diesem Account erwartet. Zur Suche nach dem heiligen Follower ein paar Tipps:
Die Unternehmensseite bietet sich dafür an. Interessiert sich jemand für das Unternehmen oder das Produkt wird er sicher dankbar sein, sich auf verschiedenen Wegen weiter und auch persönlich informieren zu können (das gilt auch für Facebook, youtube, StudiVZ und und und… aber das ist ein anderes Thema). Schön wäre, wenn man kurz erklärt, wer worüber twittert, sicherlich ist es sinnvoll, aktuelle Tweets zu zeigen.
In Twitter gibt es die Möglichkeit, nach Personen zu suchen. Jemand, der sich für das Thema Börse interessiert, hat wahrscheinlich auch einen entsprechenden Namen (Trader, Börse…, Aktie…, etc.). Diesen Personen folgen und damit auf sich aufmerksam machen.
Eine weiteres Gimmick in Twitter ist die Suche nach den sogenannten “hashtags”. Hierbei wird einem Wort oder einer Wortkombination (dabei trennt man die einzelnen Worte mit einem Unterstrich) die Rautetaste vorgestellt. Dies ist wie ein Tag bei Blogs, man kann nach diesen Worten suchen. In unserem Beispiel sind es Suchbegriffe wie #Aktien #Börse #CFD und sämtliche Kreativkombinationen wie #an_der_Börse_zocken und #Geld_verdienen_mit_CFDs etc.. Wenn man nun in der rechten Zeile die Suchfunktion nutzt und einen dieser Begriffe eingibt, erhält man eine Liste aller Tweets, die mit diesem Begriff gehashtagged #achtung_Wortmonster sind(nicht vergessen auch bei der Suche die Raute vorzustellen). Hier findet man schnell Leute, die dem eigenen Thema zugetan sind. Diesen folgen (wie oben bereits) und auf sich aufmerksam machen.
Ein wichtiger Faktor ist das Monitoring a) des Unternehmens b) der Produkte und c) nahestehender Begriffe, um die Foren, einige Communities und auch Blogs im Blick zu haben. Dies kann beispielsweise über das Setzen von Alerts bei Google geschehen. So hat sich ein Kollege aus Spanien einen Namen gemacht. Seine fachlich versierten und ehrlich authentischen Posts führten zu einer Art Fangemeinde. Nun kann man (so wie es der Kollege tat) sich dann irgendwann verabschieden und sagen man habe seinen eigenen Blog/Twitteraccount. Damit zieht man Leute direkt mit auf den neuen Kanal. Davon halte ich persönlich aber nicht so viel, man sollte der Community auch was zurückgeben. Es muss sich nicht kannibalisieren sondern sollte sich ergänzen. Z.B. kann man bei Twitter den Link posten zu einer interessanten Diskussion, an der man sich selbstverständlich auch beteiligt hat.
Danach funktioniert das ganze im Prinzip auch wie ein Schneeballsystem. Gerade @replies von Kunden oder als Fragen formuliert sowie Tweets kopieren im Sinne viraler Verbreitung (nennt man retweeten und funktioniert so: RT:@username + Text) führen ab einem bestimmten Punkt zu einer Lawine.
WANN?
Twittern geht zu jeder Tages- und Nachtzeit. Für die Unternehmenskommunikation gilt, wie immer: aktiv kommunizieren! In der Reaktion mit dem Rücken an der Wand glaubwürdig zu kommunizieren ist extrem schwer.
Es muss nicht jeden Tag kommuniziert werden. Wie eben schon gesagt, kann eine Flut von “Das Wetter ist toll und ich hatte Sushi zum Mittag” auch zu einem Wegbrechen von Followern führen. Goldene Regel: Sobald man selbst von einer Nachricht überrascht ist: Teilen und zwar flotti kompotti.
Verlinkungen sind erwünscht. Sind Links einmal zu lang (man kämpft ja schließlich mit nur 140 Zeichen) kann ich www.tinyurl.com empfehlen. Die machen auch aus der längsten URL etwas niedliches kleines.
WAS?
Jeder sollte aus dem Bereich zwitschern, für den er auch “qualifiziert” ist. Ein Salesmensch spricht in diesem Fall über den Markt oder die Konditionen und der Vorstand über Entscheidungen, die das ganze Unternehmen oder die Branche betreffen. Ein Pressesprecher macht Journalisten neugierig und wird deswegen kaum über technische Spezifikationen der Handelsplattform schreiben.
So, das wars fürs Erste, wenn mir noch etwas einfällt, dann ergänze ich, bin aber auch immer froh über Tipps und Ratschläge von außen!
Ich werde jetzt in den Weltuntergang gehen #Sommergewitter